Die vorliegende Fallstudie beschäftigte sich mit Verbesserungen in IQ-Werten (und deren Aufrechterhaltung) bei zwei Zwillingsmädchen mit einer leichten Entwicklungsverzögerung und auf ADHS hinweisende Symptomatik. Die beiden Mädchen Carol und Brenda (beide Namen geändert) waren jeweils 8 Jahre und 5 Monate alt.

Ihre symptomatischen Probleme wurden beschrieben als:

  • Ablenkbarkeit
  • Hyperaktiv und Impulsiv
  • schlechte soziale Fähigkeiten
  • Ängste
  • Probleme bei Schlaf und Aufwachen
  • und mehr

Die beiden Mädchen kamen 2 Wochen zu früh aber ohne Komplikationen auf die Welt und wurden auch als schwierige Kinder bezeichnet, welche erst verzögert zu gehen und sprechen begannen. Bei keinem der Kinder gab es Hinweise auf ein psychologisches Trauma und weder vor noch während der Therapie gab es eine medikamentöse Behandlung.

Ausgangspunkt

Ein Wechsler-Intelligenz-Fragebogen erhob für Brenda einen Wert von 71 und für Carol einen Wert von 59. Die Mutter der Kinder füllte eine auf dem DSMIII basierende Checkliste in Bezug auf ADHS-Symptomatik aus.

Der zweite Test wurde 4 Monate nach Behandlungsende durchgeführt (um Übungseffekte so gut wie möglich auszuschließen) und wurde dann 20 Monate, 42 Monate und 52 Monate nach dem Ende der Behandlung wiederholt.

 

Durchführung

Beide Mädchen erhielten je 40 Einheiten Neurofeedback. Das Treatment wurde beendet, da

  1. die Eltern zufrieden waren
  2. aus Zeit und Kostengründen

Das EEG wurde mit einem Doppelbildschirm-System angewandt, einer für den Anwender, einer für die Kinder). Die Elektroden waren an Cz angebracht mit Referenz an das Ohrläppchen und Erdung am anderen Ohrläppchen.)

Es wurden die Bänder Theta und High-Beta inhibiert und SMR und LoBeta trainiert. Welches Training genutzt wurde wurde in der Sitzung selbst und auf Basis von Sitzung zu Sitzung Überlegungen in Bezug auf die Symptomatikveränderung der Klientinnen entschieden.

Das LoBeta-Band wurde genutzt um Aufmerksamkeit genutzt und das SMR Band zur “Beruhigung”. Die Belohnung wurde in Form eines Spiels vorgegeben (Geschwindigkeit und Helligkeit).

Es wurde darauf geachtet, dass das Belohnungskriterium 60% der Zeit erreicht wurde und das unterdrückte Signal nicht häufiger als 20% nicht erreicht.

Wenn beide Schwellen erreicht wurden wurde ein Biep präsentiert so, dass die Instruktion so simpel wie möglich einfach “Lass es weiter biepen” lauten konnte. Eine Methode mit der sogar unmotivierte oder beeinträchtigte Kinder zurechtkommen sollten.

Im folgenden Video (welches eigentlich zur Darstellung der Behandlung von ADHS erstellt wurde, aber auch hier sehr passend ist) zeigen wir Ihnen kurz wie solch ein Training mit dem Neuromaster-System aussehen könnte.

Auch hier bietet sich die Möglichkeit mit zwei Bildschirmen zu arbeiten, so kann sich der Klient auf das Training konzentrieren und Sie als Therapeut haben alles gut im Blick (und müssen auch nicht direkt daneben sitzen – siehe hier).

Die Prozentwerte der Zielerreichung werden Ihnen übersichtlich dargestellt und zwar aufgeschlüsselt nach einzelnen und kombinierten Werten. Sie sehen also wie gut das Kind z.B.:

  • Wert 1 (Theta) inhibiert
  • Wert 2 (SMR) stärkt
  • in beiden Werten im Zielbereich ist

Die Schwelle kann dann bei Bedarf angepasst werden.

Die Art der Belohnung können Sie frei wählen, im Video verwenden wir ein GoKart-Rennen, aber auch Bilder, Musik oder Töne sind möglich. Der Klient kann sogar eigene Dateien mitbringen (z.B. eine Geschichte die ein Elternteil aufgenommen hat). Hier sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt.

 

Verlauf

Das Training wurde 2-3x wöchentlich durchgeführt und dauerte jeweils 30min. Bei jedem Besuch wurden die Eltern nach dem Fortschritt der Kinder gefragt.

Nach 30 Sitzungen zeigte sich eine Steigerung der Ängstlichkeit der Kinder, daher wurde der Fokus dann mehr auf SMR als auf LoBeta gelegt. Dieses Hin und Herwechseln schien gute Ergebnisse zu liefern.

Ergebnisse

Der IQ-Wert von Brena verbesserte sich um 22 Punkte von 71 auf 93 nach der Behandlung. Es gab eine kleine Verschlechterung im ersten FollowUp aber dann eine Stabilisierung.

Der Wert von Brenda verbesserte sich um 23 Punkte. Hier gab es einen kleinen Einbruch in der ersten Erhebung nach 20 Monaten, aber auch diese Werte stiegen wieder an.

Therapeutin legt EEG-Headset an

Auch die ADHS-Symptomatik bei beiden Geschwistern (Ablenkbarkeit, Hyperaktivität und Impulsivität) verbesserte sich nach Aussagen der Eltern stetig.

Zusammenfassend geben die Autoren an, dass das EEG-Biofeedback beeindruckende und stabile Ergebnisse gezeigt hätten. Aufgrund von Unterschieden in verschiedenen Teilen der Intelligenztests und den ADHS Skalen sprachen laut den Autoren eher dagegen, dass alleine eine verbessere Aufmerksamkeit für die Verbesserungen im IQ alleinverantwortlich wären. Die Verbesserungen lassen sich eher als qualitativer Sprung in kognitiver Funktion interpretieren.

In einem (natürlich quantitativ wenig aussagekräftigen aber für Anwender natürlich sehr relevanten) Brief zu Ende der Therapie berichtete die Mutter sehr glücklich von raschen Veränderungen z.B. in der Koordination (die Kinder kletterten und spielten auf einmal anders und technisch besser als zuvor) oder die Fähigkeit (nach ca. 20 Sitzungen) zweiseitige Dialoge zu führen. Am meisten zufrieden war sie mit den Verbesserungen in der Schule.

Ausblick

Nach 4 Jahren zeigten sich die Eltern aber daran interessiert, ob weitere Behandlung das Ergebnis noch verbessern könnte, woraufhin weitere 20 Sitzungen durchgeführt wurden und die Ergebnisse 6 Monate später erhoben.

Interessanterweise zeigte sich bei einer Fortführung des Trainings nach 4 Jahren keine weitere Verbesserung. Die Autoren waren unschlüssig, ob es vielleicht eine endliche Menge an Verbesserungsmöglichkeit gibt oder eine andere Therapieabwandlung die Ergebnisse noch verbessern könnte? Eine Frage die noch offen ist, aber für zukünftige Forschung sicher sehr wichtig!

 

Quelle der Studie: Fleischman, M. J., & Othmer, S. (2006). Case study: Improvements in IQ score and maintenance of gains following EEG biofeedback with mildly developmentally delayed twins. Journal of Neurotherapy, 9(4), 35-46.

 

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