Adipositas
Ca. 10-20% der Männer und 15-25% der Frauen in Europa sind adipös. Die Adipositas ist laut der WHO das größte chronische Gesundheitsproblem, dementsprechend viele Studien wurden auch zu dieser Erkrankung durchgeführt. Einige davon konnten eine Wirksamkeit von Entspannungsverfahren bei Adipositas zeigen. Zur Wirksamkeit einer Biofeedback-Training gab es bis jetzt aber noch keine Studien.
Ziel einer Promotionsarbeit von Kerstin Stephan war es die Wirkung von Biofeedback auf das Essverhalten, die physiologische Stressreaktion und die Entspannungsfähigkeit zu untersuchen.
Die Studie
30 Frauen mit Adipositas (Grad I und II) wurden in 3 Gruppen randomisiert. Gruppe 1: erhielt spezifische Biofeedbacktherapie mit gezieltem Training durch Nahrungsmittelstimuli
Gruppe 2: erhielt ein unspezifisches Entspannungsbiofeedback
Gruppe 3: War die Wartekontrollgruppe
Durch die Aufzeichnung von physiologischen Parametern ist es möglich die Reaktion auf die Stimuli zu objektivieren und rückzumelden. Somit kann ein Training erfolgen. Während der Diagnostik wurden die Parameter: Herzfrequenz, Hautleitwert, Temperatur und ein EMG erfasst. Bei den Trainingsitzungen war zusätzlich die Atemamplitude und die Atemfrequenz erfasst. Eingesetzt wurde das SOFTmed Physiosystem und die SOFTmed Software.
Die physiologische Reaktion wurde den Probandinnen mittels Hautleitwert rückgemeldet. Diese wurde vor und nach der Training in Bezug auf Nahrungsmittelstimlui geerfassen und mittel Fragebögen, und Selbsteinschätzzungen (Entspannungsfähigkeit, Stresserleben generell, Beeinflussung des Essverhaltens durch die Biofeedback-Behandlung, etc.).
Ergebnisse
Es zeigte sich, dass das Essverhalten sowie die physiologische Reaktion auf Nahrungsmittelstimuli vor allem bei jenen Probandinnen positiv beeinflusst wurde, welche die nahrungsspezifische Biofeedback-Training erhielten. Die Selbstwirksamkeit in Bezog auf Nahrungsmittel wurde durch beide Treatments verbessert, genauso wie das Stresserleben. In Bezug auf die Entspannungsfähigkeit und der allgemeinen psychischen Belastung zeigte sich vor allem das unspezifische Biofeedback effektiv.
Wie erwartet konnte in dem kurzen Zeitraum in dem die Behandlung stattfand, keine Gewichtsreduktion erreicht werden. Trotzdem kann der Einsatz von Biofeedback in der Adipositas-Behandlung unterstützend eingesetzt werden. Es wird empfohlen das seit Langem anerkannte Entspannungsbiofeedback (zur Erlernen einer generellen Entspannung) mit nahrungsspezifischem Biofeedback zu kombinieren, damit die Probanden lernen auch in konkret nahrungsbezogenen Situation nicht anzuspannen.
Zukünftige Forschung
Zukünftige Forschung sollte neben einer größeren Stichprobe, die auch Männer umfasst, die Einbindung von Biofeedback in ein multimodales Behandlungskonzept (Ernährung, Bewegung) untersucht werden.
Quellen und freier Download:
Stephan, K. (2012). Einfluss von Biofeedback auf Essverhalten, physiologische Stressreaktion und Entspannungsfähigkeit bei Adipositas (Doctoral dissertation, Universität Tübingen). https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/45948 Ergebnisse einer größeren