Biofeedback im Beruf

Auch im beruflichen Kontext werden Biofeedback und Neurofeedback vermehrt angewandt. Hier sind es zwei ein wenig unterschiedliche Bereiche, welche sich eingebürgert haben. Auf der einen Seite findet sich mit der Anwendung in der betrieblichen Gesundheitsvorsorge der Ansatz Mitarbeiter präventiv zu schützen. Auf der anderen Seite wird die Methode auch angewandt um Spitzenleistungen von Leistungsträgern (z.B. im Management) zu fördern.

Biofeedback in der betrieblichen Gesundheitsvorsorge

Die Weltgesundheitsorganisation hat Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt1 und vieles dieser Belastung stammt vermutlich aus dem beruflichen Kontext. Immer mehr Unternehmen erkennen die Vorteile von betrieblicher Gesundheitsförderung um dieser Entwicklung entgegenzutreten und investieren in diesen Bereich.

Nicht nur aus der Perspektive der Arbeitnehmer ist dies sinnvoll. Auch für die Unternehmen selbst können die Kosten für den Arbeitsausfall im Rahmen eines Burnouts immens werden2.

Die Vorbeugung und Behandlung von Stress im Beruf kann auch mittels Biofeedback erfolgen, wobei die Methode aus mehreren Gründen ideal für diesen Bereich ist.

Einer der wesentlichen Vorteile der Methode ist hier die objektive technische Rückmeldung. Diese kann anfangs zum Beispiel durch einen kurzen Stresstest oder eine ausführliche Langzeitmessung (mit dem Gerät in einer Tasche) durchgeführt werden. Dadurch, dass gemessene Stressreaktionen anschaulich und „real“ am Bildschirm rückgemeldet werden, lässt sich der oft gehörte Einwand „Ich brauche das nicht – ich habe keinen Stress“ überprüfen. Die Messung liefert dann oft einen „Aha-Effekt“, welcher als Initialzündung für die Trainingsmotivation dienen kann.

Ein weiterer Vorteil ist der spielerische Zugang der Methode. Der Wunsch „weiter zu kommen“, „diesmal tiefere Entspannung zu erreichen“ führt auch bei Erwachsenen oft zu einer deutlich erhöhten Motivation im Vergleich zu klassischen Entspannungstechniken.

Biofeedback zur Erreichung von beruflichen Spitzenleistungen

Viele Aspekte des Biofeedbacktrainings im Spitzensport können auch auf die Management-Ebene übertragen werden. Genauso wie dort können auch im beruflichen Kontext, Spannung, Aufregung oder Angst dem Erfolg im Beruf im Wege stehen. Auch hier ist die Fähigkeit sich in diesen stressigen Situationen selbst zu regulieren entscheidend. Genau diese Fähigkeit kann mit Biofeedback reguliert werden. Das Erlernen von Techniken für effiziente Kurz-Pausen hat sich in diesem Kontext ebenfalls sehr bewährt.

Neben den klassischen Methoden des Biofeedback kann auch das Neurofeedback angewandt werden um zum Beispiel die Aktivität jener Gehirnstromkurven zu stärken, welche mit erhöhter Konzentration in Zusammenhang stehen.

In einer Studie mit Managern zeigte sich HRV-Biofeedback als effektiv zur Verbesserung der kardialen autonomen Balance und in der Reduktion von stressbezogenen psychophysiologischen Outcomes3. Bei Industriearbeiten wiederum konnte gezeigt werden, dass ein Atembiofeedback-Training in dem ein entspannungsförderliches Atemmuster trainiert wurde  nach 5 Wochen zeigten, dass Werte für Depression, Angst und Stress nach dem Training in der Biofeedbackgruppe signifikant niedriger waren als jene in der Kontrollgruppe4. Schlussendlich Biofeedback kann auch angewandt werden um Studenten im Umgang mit Stress (z.B durch eine neue Lebenssituation oder hohe Anforderungen) umzugehen5.

Am Rande sei hier auch erwähnt, dass Biofeedback auch schon bei Stress hilfreich sein kann, welcher am Weg in die Arbeit entsteht. Exemplarisch sei hier der Stau genannt, welcher zur Kategorie der  „daily hassles“ gehört, als kleinere stressige Situationen im Alltag, welche sich aber trotzdem negativ auf die Gesundheit auswirken. Eine Studie hat hier gezeigt, dass Biofeedback ein sinnvolles Mittel gegen täglichen Stress zu sein scheint (unter Anderem signifikante Verbesserungen in den Werten der psychologischen Tests und und den Cortisollevels der Interventionsgruppen)6.

In Bezug auf die Verbesserung von Leistungen konnte z.B ein Beitrag zeigen, dass sich durch HRV-Biofeedback die kognitive Performance von Administratoren verbessern ließ7.

Fazit und Quellen

Biofeedback und Neurofeedback können im beruflichen Kontext auf verschiedenen Wegen eingesetzt werden. Einerseits kann das Pendel der Arbeitnehmer von “krankheitswertig” wieder in Richtung gesund geschwungen werden und andererseits von dort auch weiter in Richtung Spitzenleistung schwingen.In der betrieblichen Gesundheitsvorsorge kann Biofeedback, durch die objektive Rückmeldung, die zentrale Rolle zukommen Arbeitnehmer überhaupt erst von der Notwendigkeit von Maßnahmen zur Stressbekämpfung zu überzeugen. Erfahrungsgemäß wird die Methode durch den spielerischen Zugang auch besser angenommen als andere Maßnahmen dieser Art.

Quellen:
1 http://www.handelsblatt.com/karriere/nachrichten/volkskrankheit-stress-und-kein-ende/2788788.html
2 Schneider, F., & Dreer, E. (2013). Volkswirtschaftliche Analyse eines rechtzeitigen Erkennens von Burnout. Johanes Kepler Universität Linz.
3 Munafò, M., Patron, E., & Palomba, D. (2015). Improving Managers’ Psychophysical Well-Being: Effectiveness of Respiratory Sinus Arrhythmia Biofeedback. Applied psychophysiology and biofeedback, 1-11.
4 Purwandini Sutarto, A., Abdul Wahab, M. N., & Mat Zin, N. (2012). Resonant breathing biofeedback training for stress reduction among manufacturing operators. International Journal of Occupational Safety and Ergonomics, 18(4), 549-561.
5 Jarasiunaite, G., Perminas, A., Gustainiene, L., Peciuliene, I., & Kavaliauskaite-Keserauskiene, R. (2015). BIOFEEDBACK-ASSISTED RELAXATION AND PROGRESSIVE MUSCLE RELAXATION POTENTIAL FOR ENHANCING STUDENTS’DISTRESS TOLERANCE. European Scientific Journal, 11(2).
6 Kotozaki, Y., Takeuchi, H., Sekiguchi, A., Yamamoto, Y., Shinada, T., Araki, T., … & Kawashima, R. (2014). Biofeedback‐based training for stress management in daily hassles: an intervention study. Brain and behavior, 4(4), 566-579.
7 SUTARTO, A. P., & WAHAB, M. N. B. A. Biofeedback Technique for Improving Human Operator’s Cognitive Performance.