Neurofeedback bei ADHS

Eine herabgesetzte Aufmerksamkeitsspanne, erhöhte motorische Aktivität und spezifische Lernstörungen beeinträchtigen Kinder mit ADHS spätestens im Schulalter. Daraus resultierende schlechte Leistungen, häufiges Aufstehen und sonstige motorische Überaktivität (‚Zappeln’, ‚Tratschen’ etc.) können trotz zum Teil überdurchschnittlicher Intelligenz den schulischen und sozialen Fortschritt von Kindern und Jugendlichen gefährden.

Das Mittel der Wahl sind oft medikamentöse Behandlungen, doch ist Biofeedback eine alternative Behandlungsform mit nachhaltigem Therapieeffekt, der sogar über jenen der Pharmakotherapie hinausgeht.

Die Behandlung des ADHS mit Neurofeedback

Oft wird in der Behandlung von ADHS das sogenannte Frequenzbandtraining angewandt. Kurz gesagt ist es so, dass im Gehirn verschiedene Frequenzbänder aktiv sind, welche wiederum jeweils mit verschiedenen Zuständen in Zusammenhang gebracht werden. So steht eine hohe Aktivität des Alpha-Bandes für einen leichten entspannten Zustand während Beta-Wellen mit Aufmerksamkeit und Konzentration (Sie sehen den Konnex zu ADHS) in Zusammenhang gebracht werden.

Ziel der Therapie ist es nun das Verhältnis der verschiedenen EEG-Frequenzbänder zueinander zu verändern um einen entspannten aber konzentrierten Zustand zu erreichen. Dies gelingt z.B. der Energieinhalt des Beta-Bandes erhöht wird, was eine erhöhte Aufmerksamkeit fördern soll und im sogenannten Theta-Band reduziert wird, was Ablenkbarkeit mindern soll.

Unter Verwendung kindgerechter Feedback-Arten wird die Motivation zur Therapie bei den jungen ADHS Klienten geweckt und aufrechterhalten. Während die Kinder also mit Spaß an den körpergesteuerten PC-Spielen ihre Fähigkeiten trainieren werden vom Therapeuten die Werte erfasst und die Therapie begleitet. Unterstützend können andere Biofeedback-Modalitäten wie Hautleitwert-Training oder EMG-Training wirken.

Zugegeben, wenn Sie (noch) kein Experte für ADHS sind, klingt das alles ein bisschen kompliziert, ist es aber in der Anwendung nicht. Zusätzliche Informationen über diese medikamentenfreie Alternative schafft ein Bericht aus dem ARD-Mittagsmagazin.

Wirksamkeit und Quellen

Die Behandlung von ADHS mit Neurofeedback ist eines der wissenschaftlich am besten abgesicherten Teilgebiete aus dem Bereich Biofeedback/Neurofeedback. Das Mittel der Wahl bei ADHS sind oft medikamentöse Behandlungen, doch ist Biofeedback eine alternative Behandlungsform mit nachhaltigem Therapieeffekt, der mit jenem der Pharmakotherapie vergleichbar12 ist oder sogar über diesen hinausgeht2. Auch im langfristigen Betrachtungszeitraum gilt die Behandlung als effektiv3.

Im 2016 erschienen Review der Association for Applied Psychophysiology and Biofeedback „Evidence-Based Practice in Biofeedback and Neurofeedback“ wurde dieser Behandlungsform die höchste Wirksamkeitsstufe bescheinigt4.

Quellen:
1 Duric, N. S., Assmus, J., Gundersen, D., & Elgen, I. B. (2012). Neurofeedback for the treatment of children and adolescents with ADHD: a randomized and controlled clinical trial using parental reports. BMC psychiatry, 12(1), 107.
2 Meisel, V., Servera, M., Garcia-Banda, G., Cardo, E., & Moreno, I. (2014). Reprint of “Neurofeedback and standard pharmacological intervention in ADHD: a randomized controlled trial with six-month follow-up”. Biological psychology, 95, 116-125.
3 Steiner, N. J., Frenette, E. C., Rene, K. M., Brennan, R. T., & Perrin, E. C. (2014). In-school neurofeedback training for ADHD: sustained improvements from a randomized control trial. Pediatrics, peds-2013.
4 G. Tan, F. Shaffer, R. Lyle, & I. Teo (Eds.). Evidence-based practice in biofeedback and neurofeedback (3rd ed.). Wheat Ridge, CO: Association for Applied Psychophysiology and Biofeedback.

Kosten einer Neurofeedback-Behandlung

Kosten und Abrechnungsmöglichkeiten sind (mit Ausnahme der Ergotherapie in Deutschland meist gleich, bzw. ähnlich wie jene von Biofeedback, also im Bereich von €80 – €120 in Österreich und Deutschland, bzw. 80 CHF – 130 CHF in der Schweiz.

Prinzipiell sollte immer bei den Krankenkassen nachgefragt werden, ob Behandlungskosten übernommen werden können, einige Krankenkassen haben hier Bereitschaften gezeigt.

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