Frage: Wie sind Sie zum Biofeedback gekommen?
Antwort: Ich habe vor fast 20 Jahren begonnen, mich mit Biofeedback zu beschäftigen. Damals habe ich die Ausbildung an der Europäischen Biofeedbackakademie absolviert und mich entsprechend ausgestattet. Die anfängliche Faszination hat bis heute nicht nachgelassen. Jeder neue Klient bringt neue spannende Einblicke – ich bin immer wieder neugierig, was wir in der Messung sehen und wie ich das erklären kann. Biofeedback liefert für mich eine objektive Grundlage, um innere Prozesse sichtbar zu machen – das begeistert mich bis heute.
Frage: Wie setzen Sie Biofeedback bei Migräne ein? Welche Beschwerden berichten Ihre Patient:innen, bei denen Biofeedback besonders hilfreich ist?
Antwort: Die Wirkung von Biofeedback bei Migräne ist sehr vielfältig. Menschen mit chronischen Migräneanfällen leiden meist nicht nur unter den Schmerzen selbst, sondern auch unter den Nebenwirkungen der Medikamente und oft zusätzlich unter psychischer Belastung. Wenn Biofeedback wirkt, dann reduziert sich nicht nur die Häufigkeit der Anfälle – auch die Lebensfreude steigt, die Zuversicht wächst, und viele berichten, dass sie wieder das Gefühl haben, selbst etwas bewirken zu können.
Frage:Welche Biofeedback-Parameter sind Ihrer Erfahrung nach besonders hilfreich bei Migräne?
Antwort: Zwei Parameter setze ich grundsätzlich bei allen ein: das Handerwärmungstraining (Temperaturfeedback) und das Vasokonstriktionstraining. Zusätzlich achte ich auf die Atmung – viele atmen dauerhaft zu flach, zu schnell oder ausschließlich in den Brustkorb. Auch Muskelspannung ist häufig ein Thema, besonders im Trapezius. Wenn ich im Belastungstest erkenne, dass dort eine Über- oder Ungleichspannung vorliegt, ist das mein Einstiegspunkt. Ich erkläre den Klient:innen direkt, was sie üben sollen. Die Belastungstestsitzung dauert bei mir etwa zwei Stunden – darin messen wir, interpretieren gemeinsam und beginnen sofort mit dem Training. Die Klient:innen bekommen auch direkt eine Übung mit nach Hause.
Frage: Wie viele Sitzungen sind im Durchschnitt nötig, bis sich eine Verbesserung zeigt?
Antwort: Das ist sehr unterschiedlich. Manche erleben schon nach 5–7 Sitzungen erste Fortschritte. Bei anderen dauert es länger, vor allem wenn über Jahre dysfunktionale Muster verankert wurden. Aber wenn jemand offen und engagiert mitarbeitet, kann man in etwa 10 Stunden deutlich spürbare Veränderungen erreichen.
Frage: Warum ist Biofeedback bei Migräne aus Ihrer Sicht besonders wirksam?
Antwort: Viele Migräniker sind sehr aktive Menschen, die kaum zur Ruhe kommen. Häufig tritt die Attacke genau dann auf, wenn sie sich entspannen – ein paradoxer Zusammenhang, der vielen nicht bewusst ist. Durch Biofeedback wird dieser Zusammenhang messbar und damit begreifbar. Es ist ein Unterschied, ob ich über kalte Hände spreche oder ob jemand selbst sieht, dass sich seine Handtemperatur auch nach 10 Minuten kaum verändert. Das macht etwas mit den Menschen. Wenn sie diesen Zusammenhang erkennen – etwa zwischen kalten Händen und Migräne – wächst die Bereitschaft, gezielt zu üben. Mit der ersten Besserung steigt dann meist auch die Motivation weiter. Biofeedback stärkt die Selbstwirksamkeit – und das ist ein entscheidender Faktor. Kein anderes Verfahren macht Fortschritte so unmittelbar sichtbar. Und: Biofeedback lässt sich sehr gut mit anderen therapeutischen Methoden kombinieren – es ist kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch.
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