Biofeedback als Entspannungstraining

Auch abseits von klinischen Beschwerden durch übermäßigen Stress kann es sinnvoll und bereichernd sein Entspannungsübungen zu erlernen und damit bewusst Regenerationsphasen in den Tagesablauf einzubinden. Regelmäßige Ruhephasen sind für die Erhaltung von körperlicher und geistiger Gesundheit unabdingbar.

Biofeedback als Entspannungstraining

Bei einem Entspannungstraining mit Biofeedback wird die Tiefe der Entspannung objektiv gemessen und zeitgleich am Bildschirm rückgemeldet. Dadurch können der Therapeut und der Patient während einer Sitzung sofort beurteilen wie weit die Entspannung fortgeschritten ist.

Im Wellnessbereich kann Biofeedback beispielsweise verwendet werden um den Klienten Entspannung näherzubringen. So kann etwa eine tiefere Atmung trainiert werden, um ein Gefühl der körperlichen Entspannung zu produzieren. Aber auch andere Methoden (z.B HRV-Biofeedback oder Durchblutung) können angewandt werden1. Auch in der Prävention wird Biofeedback (verschiedene Modalitäten) genutzt. Hier ist es oft schon ausreichend dem Klienten psycho-physiologische Zusammenhänge grundlegend zu vermitteln1.

Meist gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Gestaltung des Trainings. So dienen zum Beispiel Videos, Bilderfolgen oder Musik mit gleichzeitiger Rückmeldung des Entspannungszustandes der Induktion eines Grundlevels an Entspannung. Aktive Feedback-Übungen ermöglichen es dann das vegetative Nervensystem bewusst steuern zu lernen. Da sehr viele Patienten Stress (noch) gar nicht wahrnehmen, oder ihn nicht wahrnehmen wollen, ist Biofeedback hier auch als Diagnosewerkzeug hilfreich. Durch die sichtbare Rückmeldung am PC wird das rechtzeitige Erkennen eines erhöhten Bedarfs nach Entspannung möglich.

Kombination mit anderen Techniken

Die Anzahl an Entspannungstechniken ist mittlerweile immens geworden. Aber sei es nun Yoga, Meditation oder Autogenes Training, gemein ist all diesen Techniken, dass Sie oft frühzeitig abgebrochen werden, weil die Patienten den Fortschritt anfangs nicht konkret wahrnehmen.

Hier kann die Kombination mit Biofeedback helfen, die es ermöglicht, den Erfolg von Entspannungsübungen sofort am Bildschirm zu sehen und damit zu akzeptieren, dass diese eine positive entspannende Wirkung auf den Körper haben – auch wenn man sie selbst noch nicht wahrnehmen kann.

Wirksamkeit, Tipps und Quellen

Biofeedback kann mit anderen Entspannungstechniken kombiniert werden und so die Effektivität der Behandlung verbessern23. Die Effekte der „klassischen Entspannungsverfahren“ wie die Erwärmung der Hände beim Autogenen Training oder die An- und Entspannung der Muskulatur können mittels Biofeedback (in diesem Fall Temperatur- und EMG-Biofeedback) sichtbar gemacht werden. Biofeedback kann die Selbstwahrnehmung gezielt schulen und bessern und viele Klienten erlernen eine allgemeine Entspannung auch außerhalb der trainierten Modalität4.

Frau Diana Sicher-Fritsch berichtet aus Ihrer Praxis: “In unserem Mental-Zentrum wird das Biofeedback-System Comfort erfolgreich bei der Arbeit mit Hotelgästen und externen Kunden eingesetzt. Hauptaufgaben im Mental-Zentrum ist die Arbeit mit Kunden im Bereich Stress-Prävention, zumeist bei bereits bestehenden Stress-Symptomen. Sehr gute Erfahrungen haben wir zum Beispiel bei Tinnitus-Kunden erzielen können. Durch die Biofeedback-Messungen sehen unsere Kunden selbst, wie sie auf An- und Entspannung reagieren um dem entgegensteuern zu können. (…)

Biofeedback ist im Mental Zentrum unseres ****Mental Spa Hotel ein Instrument zur Qualitätssicherung geworden. Erst wissenschaftliche Auswertungen zeigen dem Kunden objektiv die Veränderungen, die ein Training bzw. ein Coaching bewirken. Dadurch ist man als Coach auch nicht mehr nur auf die subjektive Wahrnehmung angewiesen.”
Anwender, welche ebenfalls überlegen Biofeedback in ihr Angebot zu integrieren, können hier Informationen anfordern.

Tipp aus der Praxis
Nicht für jeden sind die gleichen Entspannungsmethoden zielführend. Setzen Sie Biofeedback als objektive Methode ein, um herauszufinden, welche Entspannungsmethode am besten zur Person passt. Nutzen Sie Musik, Bilder oder Videos, die der Patient selbst mitbringt und integrieren Sie diese in die Biofeedbacksoftware. Persönliche Urlaubsfotos oder das Lieblingslied fördern durch den persönlichen Bezug häufig den Lernerfolg noch zusätzlich.

Quellen:
1 Haus, K. M., Held, C., Kowalski, A., Krombholz, A., Nowak, M., Schneider, E., … & Wiedemann, M. (2013). Praxisbuch Biofeedback und Neurofeedback. Springer Berlin Heidelberg.
2 Evers, S., May, A., Fritsche, G., Kropp, P., Lampl, C., Limmroth, V., … & Diener, H. C. (2008). Leitlinie der Deutschen Migräne-und Kopfschmerzgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Nervenheilkunde, 27, 933-949.
3 Cott, A., Parkinson, W., Fabich, M., Bédard, M., & Marlin, R. (1992). Long-term efficacy of combined relaxation: biofeedback treatments for chronic headache. Pain, 51(1), 49-56.
4 Bruns, T., & Praun, N. (2002). Biofeedback: ein Handbuch für die therapeutische Praxis; mit 15 Tabellen. Vandenhoeck & Ruprecht.

Stress-Studien im Biofeedback-Blog

Immense Kosten
Am höchsten ist der Schaden von übermäßigem Stress natürlich immer für den Patienten selbst doch auch Unternehmen und die Volkswirtschaft als gesamtes leiden darunter. In unserem Artikel „Weniger Stress – geringere Kosten“ berichten wir über die Kosten von psychischen Erkrankungen für die Volkswirtschaft und welche Rolle Biofeedback in diesem Bereich einnehmen könnte. Mit solchen Maßnahmen wären wohl immense Kosteneinsparungen zu realisieren.
In unserem Infoblatt „Biofeedback für die betriebliche Gesundheitsvorsorge“ finden Sie übersichtlich dargestellt den Wert des Einsatzes von Biofeedback für Betriebe. Dieses Blatt können Sie zum Beispiel dazu verwenden um als bestehender Kunde Ihre Patienten und Klienten zu informieren oder um vorab Informationen zu verbreiten und das Interesse abzufragen.
Besonders Betroffene
Verschiedenste Bevölkerungsgruppen sind regelmäßig besonders von Stress betroffen. Unter dem Titel „Managementstress oder Stressmanagement“ berichten wir beispielweise über die extremen Belastungen die auf Top-Managern lasten und berichten über eine Studie welche positive Effekte einer Biofeedbackbehandlung auf Stress bei dieser Berufsgruppe zeigen konnte.
Doch nur nur das Top-Mangement leidet unter Stress, auch Industriearbeiter können über ihre physische Arbeitsumgebung, sowie über monotone Tätigkeiten mit geringer Kontrolle belastet sein. In „Stress bei Industriearbeitern“ beschäftigen wir uns mit einem Unternehmen welches gegen diesen Stress mit Biofeedback anging und nach bereits 5 Wochen geringere Werte für Depression, Angst und Stress feststellen konnte.
Im Artikel „Der gestresste Student“ berichten wir über die ernsten Konsequenzen von Stress bei Studenten. Diese stehen ja aufgrund der neuartigen Situation im Studium oft besonders unter Druck. Die Studie über die im Artikel berichtet wird, bezieht Biofeedback und die progressive Muskelentspannung in die Behandlung ein und stellt fest, dass diese Methoden bei Studentenstress sehr wirksam sind.
Die perfekte Synthese
Auf Techniken wie die eben gennante „Progressive Muskelrelaxation“ haben wir uns auch im Artikel „Biofeedback und bekannte Entspannungstechniken“ bezogen. Dort stellen wir fest, dass diese Methoden sich nicht gegenseit ausschließen. Vielmehr arbeiten Sie durch die sichtbare Rückmeldung des Erfolgs von Entspannungstechniken mit Biofeedback und die daraus folgenden Vorteile ideal zusammen.
Alltäglicher Stress
Doch nicht nur extremer chronischer Stress stellt eine Belastung und eine Gefahr dar. Auch die sogennanten „daily hassles“ (tägliche Ärgerlichkeiten) wirken sich negativ auf unsere Gesundheit aus. Im Bericht „Täglicher Stress“ beschäftigen wir uns mit dieser Art von Stress und berichten über eine Studie die die positiven Auswirkungen von Biofeedback auf diesen Stress auf unterschiedlichen Ebenen (MRI, psychologische Tests und Cortisollevel) darstellt.